Bild von der Gedenkseite für Bernhard Ciemilewski (1924 – 2005)

Bernhard Ciemilewski (1924 – 2005)

* Allenstein 9. August 1924 † Charité Berlin 22. August 2005
Bernhard Ciemilewski
– Vertreibung –

.. was ist es
– das von uns bleiben wird ??
ein foto .. ein gedanke ..
eine flüchtige erinnerung .. ein orden ??
die liebe die wir fühlen konnten ??
⋆ ✩ ✶

Bernhard Ciemilewski wurde 1924
in Allenstein in Ostpreußen geboren.
Mutter Viktoria starb mit 32 Jahren,
als er erst ein Jahr alt war.

◈ 
1945 wurde die Familie durch Krieg
und Vertreibung auseinandergerissen.
Sein Vater Paul kam um,
seine sechs Geschwister sah Bernhard
niemals wieder.
Was aus ihnen wurde, erfuhr er nie.

◇ 
An seinem 21. Geburtstag
fiel in der Ferne
die zweite Atombombe.
Auf Nagasaki.

◇ ◆
In Brandenburg fand er eine neue Heimat.
In Klein Mutz lernte er Elisabeth Krüger kennen.
Auf dem „Großen Timpen“ am Bismarckturm
der erste Kuss.

◈ 
Am 20. Januar 1950 heirateten sie.
Kinder und Enkel kamen.

◈ ◇ ◆
Bernhard arbeitete zunächst
bei der Polizei,
dann als Melker und schließlich
viele Jahre als Inspektor
der Landwirtschaftlichen
Produktionsgenossenschaft (LPG).

◈ 
Nach Hunger und Krieg
trug er Verantwortung für die Nahrungserzeugung.

◇ 
Am 7. Oktober 1969,
dem 20. Jahrestag der DDR,
erhielt er in Schönfließ
den Vaterländischen Verdienstorden.
Er hatte es geschafft, sich aus Verlust
und Vertreibung
ein neues Leben aufzubauen.
Der Orden stand für seine Arbeit,
für Anerkennung und
die Hoffnung auf Zukunft.

---------------------------------------
☩ Das Glück zerbrach ☩

Doch Elisabeth starb 1971
mit nur 41 Jahren.
Ein Jahr später wurde seine Tochter
auf dem Feldweg Opfer eines Verbrechens.
Das Dorf schwieg.

Bernhard und seine Tochter, die Familie
... verließ Schönfließ.
Es blieben zwei Gräber im Wind.
☩

Später heiratete er Irma,
selbst Heimatvertriebene
und Mutter dreier Kinder.
Er bemühte sich, auch für sie da zu sein.
Drei Herzinfarkte folgten.

✶Das transgenerationale Schweigen ✶

Über Krieg und Vertreibung sprach Bernhard nie.
„Darüber wird nicht gesprochen!“
Er wollte nicht älter als 80 werden.
Am 22. August 2005 starb er mit 81 Jahren.
Leukämie.

In ehrendem Gedenken, Tag für Tag
Dein ältester Enkel Frank


– Spurensuche 2026:
✧ Das Schweigen und die Wahrheit ✧

Erst 2026 fand ich die Spur nach Allenstein,
heute Olsztyn in Polen:
zu den Abbauten von Stolzenberg,
wo sein Vater Paul
als Gutsoberverwalter arbeitete.
Im Januar 1945 eroberte
die Rote Armee Allenstein.
Die Zivilbevölkerung erlitt Gewalt,
Zerstörung und Vertreibung.
✶✶✶

Bernhard war 20.
Sein Schweigen
mag ein Schutz vor
dem Unaussprechlichen
gewesen sein.

✶ Der 80. Geburtstag ✶

An seinem 80. Geburtstag
in Liebenwalde blickte er
auf seine Familie
und weinte plötzlich so bitterlich,
dass seine Schultern bebten.
Nur einer stand auf und umarmte ihn.
Ich.

❦
„Darüber wird nicht gesprochen!“ ...
∞
... wurde zum Schweigen über Generationen,
das selbst verletzen konnte.

Doch Bernhard hielt durch,
damit seine Nachfahren es
eines Tages besser haben würden.
Dass wir es heute besser haben,
in Demut und Dankbarkeit zu erkennen,
obliegt jedem selbst.
✶✶✶

"Eines Tages" ist jetzt.
... und geblieben
ist das Mitgefühl
und die Liebe für Opa.

☽ Frank der Pfadbereiter ☾
Archiv der Menschlichkeit
Verfasst von: Frank Woßeng
© Bild: Frank der Pfadbereiter
 
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